Die Wachstumsmotoren im Telekommunikationsbereich sind die Telekommunikationsdienste und die Mobilkommunikation. Der Dienstleistungs- und Preiswettbewerb im liberalisierten Markt sowie die rapide Verbreitung des Internet bewirken, daß der Gesamtmarkt - also Technik und Dienste - 1998 um vier Prozent auf 98,7 Milliarden DM gewachsen ist.
Dabei leidet der Markt für Kommunikationstechnik unter dem Rückgang der Infrastrukturinvestitionen nach Abschluß der Digitalisierung des Telekorn-Netzes. 1998 ist der Gesamtmarkt für Kommunikationstechnik voraussichtlich um fünf Prozent von 19,5 auf 18,4 Milliarden DM geschrumpft. Denn die Investitionen der neuen Netzbetreiber von jährlich ein bis zwei Milliarden DM halten nicht den Rückgang des Infrastrukturmarktes um 20 Prozent auf 5,9 Milliarden DM auf. 1999 dürfte sich das Geschäft der Anbieter von Technik für öffentliche Netze auf diesem Niveau stabilisieren.
Der gesamte Technikmarkt wird sich voraussichtlich 1999 erholen und um vier Prozent auf 19,2 Milliarden DM zulegen.
Die Impulse kommen dabei vor allem aus dem Bereich der privaten Netze, wo produktbegleitende Dienstleistungen (Beratung, Systemintetation, Schulung und Netzbetrieb für Kunden) bereits 40 Prozent der Umsätze ausmachen.
Im vergangenen Jahr haben die Umsätze mit dem Auf- und Ausbau privater Netze von Unternehmen und öffentlicher Verwaltung erstmals das Volumen des Infrastrukturmarktes übertroffen. Die privaten Netze sind - deutlicher als zunächst erwartet -Wachstumsträger geworden.
1998 hat sich der Markt um sechs Prozent von 6,2 auf 6,6 Milliarden DM erhöht. 1999 wird eine Wachstumsbeschleunigung auf neun Prozent bzw. 7,2 Milliarden DM erwartet.
Eindeutig ist der Trend: Mobiltelefonie wächst wesentlich stärker als die Festnetzkommunikation. Der Absatz an Mobiltelefonen schnellte 1997 um über 50 Prozent auf rund vier Millionen Stück hoch.
Mittlerweile telefoniert jeder zehnte Deutsche mobil. Insgesamt wurden 1997 16,7 Millionen Telefone, Faxgeräte und Anrufbeantworter verkauft, 15 Prozent mehr als im Vorjahr.
Wertmäßig stagniert der Endgerätemarkt allerdings. Nach einem kleinen Zuwachs von zwei Prozent 1997 auf 5,9 Milliarden DM wurde am Ende des Jahres 1998 in diesem Marktsegment eine schwarze Null geschrieben.
Insgesamt registrieren die Verbände in der Telekommunikation aber doch ein klares Plus.
Denn der Dienstbereich wächst 1998 um sieben Prozent von 75 auf 80,3 Milliarden DM. Für 1999 erwartet man ein Wachstum von sieben Prozent auf dann gut 86 Milliarden DM.
Trends und neue Entwicklungen: Voice- und Non-Voice-Kommunikation.
Die technologische Dynamik in der Telekommunikation nimmt - getrieben von Entwicklungen in der Mikroelektronik und Software - ständig zu.
Bei Infrastruktursystemen der Vermittlungs- und Übertragungstechnik liegt der Softwareanteil an den gesamten Entwicklungskosten heute bei 5O Prozent und selbst bei Handys bei 35 Prozent. In wenigen Jahren wird die gesamte Funktionalität eines GSM-Handys auf einem einzigen Chip untergebracht sein.
Informations- und Kommunikationstechnik wachsen zusammen: die Trennung zwischen Voice- und Non-Voice-Kommunikation verliert an Bedeutung. ,,Internet-Telefonie" oder ,,Mobile Datenkommunikation" stehen für die Konvergenz von Technologien, Produkten und Diensten.
Liberalisierung und Privatisierung der Telekommunikationsmärkte sind weltweit auf dem Vormarsch: Sie sorgen für die Verbreitung neuer Anwendungen, niedrigere Preise und schnell wachsende Nachfrage.
Über die Netze können neue, telekooperative Anwendungen abgewickelt werden, die Transaktionskosten reduzieren, den Informationsaustausch beschleunigen und die Produktivität verbessern. Chancen für neue Wertschöpfung entstehen im Umfeld der verarbeitenden Industrie ebensowiedurcheigenständige Dienstleistungen, u.a. in den Bereichen der Telearbeit, des Tele-Service, des TeleEngineering?, des Electronic Business und Electronic Commerce.
Deutschland gehört im weltweiten Maßstab zu den Ländern mit den besten infrastrukturellen Voraussetzungen für Electronic Business.
30 Prozent der gesamten europäischen Rechenleistung steht in Deutschland, jeder dritte ISDN-Anschluß der Weit liegt hier, das Mobilfunknetz ist fast lückenlos, das Fernsprechnetz ist vollständig digitalisiert, etwa zehn Millionen deutsche PCs sind vernetzt. Eine lnformationsgesellschaft sollte solch eine geballte Rechen- und Kommunikationsleistung aber auch intensiv nutzen. So finden derzeit von der elektronischen Geschäftstätigkeit in Europa nur zehn Prozent in Deutschland statt; angemessen wären 25 Prozent.
Auch der Vergleich mit den USA, wo 1997 schon jeder fünfte US-Amerikaner über einen lnternetanschluß verfügte - hierzulande dagegen nur jeder zwanzigste Deutsche - zeigt ein erhebliches Potential auf.
(gelesen in dem Magazin "Markt & Wirtschaft OWL" 01/99)